Die festliche Orgelweihe in Lüdenscheid

Ein besonderes Schmuckstück von außergewöhnlicher Klangschönheit 

Mit dem kirchlichen Festakt der Orgelweihe erwartete die Lüdenscheider am 3. November 2018 um 18 Uhr in der Evangelischen Erlöserkirche eine Veranstaltung der Extraklasse!

„Um ein solches Projekt durchzuführen, braucht es vor allem eine Menge Begeisterung“, so äußerte sich der Vorsitzende des Kuratoriums Stiftung Altstadtorgel Lüdenscheid Alhard Graf von dem Bussche-Kessell. „Einige halten es vielleicht sogar für verrückt. Ja, vielleicht sind wir ein bisschen verrückt!“

Alle Mühe hat sich gelohnt, denn am 3. November war der langersehnte Tag da. Die Baumhoer-Orgel ist fertig und das Ergebnis einer ungewöhnlichen Kooperation von Stiftung Altstadtorgel Lüdenscheid und der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde kann sich sehen lassen! Die neue Orgel ist ein besonderes Schmuckstück von außergewöhnlicher Klangschönheit! Davon konnten sich die Lüdenscheider in einem festlichen Orgel-Improvisations-Konzert überzeugen.

Kreiskantor Dmitri Grigoriev

Kreiskantor Dmitri Grigoriev

Kreiskantor Dmitri Grigoriev konnte hierfür international bekannte Organisten wie Prof. Tomasz Adam Nowak (Titular-Organist an der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti in Münster und Professor für Orgel und Improvisation an der Hochschule für Musik in Detmold), Prof. David Cassan (Titularorganist an der Grand Orgue de l´Oratoire du Louvre à Paris und Professor für Orgel und Improvisation am Conservatoire de Nancy), Prof. Stefan Schmidt (Domorganist in Würzburg und Honorarprofessor an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf) sowie Peter Ewers (Improvisator, der die Altstadtorgel mitkonzipiert hat) gewinnen.

Der Festakt gestaltete sich nach einem altchristlichen Ritus: zwischen Anrufen an die Orgel improvisierten die Künstler bezugnehmend auf den Inhalt des vorangegangenen Rufes.
So startete Pfarrer Holger Reinhardt (Ev. Versöhnungskirchengemeinde) den Festakt mit einer Stille und dem Ruf „Orgel, geweihtes Instrument, stimme an das Lob des Herrn!“
Nowak begann seine kraftvolle Improvisation mit den tiefsten und dunkelsten Tönen der Orgel, gleichsam wie zur Erschaffung der Welt, und unter seinen Händen begann die Orgel langsam und unaufhaltsam wie ein mächtiges urzeitliches Wesen zu erwachen.

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Es folgte der Ruf des Superintendenten Klaus Majoress (Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg): „Orgel, geweihtes Instrument, lobsinge das Opfer unseres Herrn Jesus Christus!“
Cassan zeigte daraufhin in munteren Tönen die farbige Vielfalt der Orgel, und sein Spiel drückte die Eleganz französischer Lebensart aus, perfekt abgestimmt auf die Orgel, die nach dem Vorbild einer französischen Cavaillé-Coll-Orgel disponiert ist.

Der dritte Ruf (Pfarrer Jürgen Jerosch, Ev. Versöhnungskirchengemeinde) „Orgel, geweihtes Instrument, erflehe den Heiligen Geist, der allgegenwärtig ist!“ wurde von Ewers mit ruhigen Tönen, einer Art stillem Erflehen beantwortet. Nach den vorherigen Improvisationen bildete diese einen besinnlichen Ruhepol mit den zarten Registern der Orgel.

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Eine neue Facette zeigte der Ruf von Andreas Rose (Kath. Pfarrei St. Medardus) „Orgel, geweihtes Instrument, trage unsere Gebete vor die Heilige Mutter Gottes!“

Schmidt gestaltete eine Meditation in schwebenden Tönen und spielte mit sensiblem Anschlag eine sehr feinsinnige Anbetung der Mutter Gottes.

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Dem Ruf „Orgel, geweihtes Instrument, lege Zeugnis ab für das Erbarmen des Herrn und für seine Liebe und Güte!“ (Barbara Fahl-Njayou, Ev. Versöhnungskirchengemeinde), schloss Grigoriev ein raffiniert aufgebautes und durchgestaltetes Fugato an, welchem die Freude des Organisten über „seine“ neue Orgel anzumerken war.
Auch die folgende Improvisation war von Grigoriev perfekt auf den Ruf „Orgel, geweihtes Instrument, preise die Herrlichkeit der Engel!“ (Pfarrer Holger Reinhardt) abgestimmt: eine Klangmeditation mit Schwebung und zart-glitzerndem 1-Fuß-Register erweckten den Eindruck eines Engelsreigens im Himmel.

„Orgel, sprich die gemeinsame Sprache der Christenheit!“ Dieser Ruf von Pfarrer Andreas Rose betonte die Einheit aller Menschen. Schmidt begann seine Improvisation mit majestätisch-kraftvollen Tönen eines Zungenplenums und Doppelpedals, und führte die Melodie dann in einer kräftigen Solostimme weiter.

Pfarrer Jürgen Jerosch bat die Orgel „Orgel, geweihtes Instrument, erfülle das Haus Gottes mit deinen freudigen Gesängen!“ und die Orgel antwortete unter Ewers Händen mit hellen, leichten Tönen: einem freudigen Vivace im Mixturplenum.

Der Ruf von Barbara Fahl-Njayou „Orgel, geweihtes Instrument, tröste die Betrübten, die Not leiden!“ brachte wieder einen Farbwechsel in das Programm. Hier erwachte erneut in Nowaks Improvisation das Magisch-Dämonische des Anfangs, ein Marsch, aufgebaut zunächst in dunklen, mächtigen Grundstimmen, fortgeführt über leidenschaftliches Tutti hin zur himmlischen, allumfassenden Ewigkeit.

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„Orgel, geweihtes Instrument, verkündige die Macht und Majestät der Dreifaltigkeit!“ Dieser Ruf des Superintendenten Klaus Majoress wurde abschließend von Cassan mit einer hoch-virtuosen Toccata im französischen Stil beantwortet. Cassans Improvisation drückte Leichtigkeit und große Spielfreunde aus und endete nach einem fulminanten Registercrescendo mit allen Registern der neuen Orgel.

Besonderen Applaus erntete natürlich der Orgelbauer, Albert Baumhoer, der selber seine Freude an der Arbeit und seinen Stolz auf diese besondere Instrument, übrigens sein Opus Maximus, ausdrückte!

Ein weiterer Glanzpunkt dieses Festaktes war die gemeinsame Improvisation aller fünf Organisten, die verschiedene Variationen zum bekannten „Sankt Martin-Lied“ gestalteten und sich fließend an der Orgel abwechselten, ohne dass die Musik jemals abriss oder einen Bruch erlebte. Dort gab es Spieluhr-Klänge, Fugati, Marschcharakter, und es war besonders eindrücklich zu erleben, wie fünf völlig verschiedene Organisten in ihren Improvisationen Bezug aufeinander nahmen.

Das Publikum konnte während des ganzen Festaktes nicht nur akustisch, sondern auch optisch durch Videoübertragung verfolgen, wie die Orgel gespielt wird.

Ein würdiges, außergewöhnliches Fest mit spürbarer Begeisterung aller Beteiligten an diesem großangelegten Gemeinschaftsprojekt!

 

Text: Anne Temmen-Bracht, Stiftung Altstadtorgel Lüdenscheid

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