Aufbau der Altstadtorgel hat begonnen

Ostern – das Fest der Auferstehung wird für die lang ersehnte neue Konzertorgel in der Erlöserkirche Lüdenscheid zum Startpunkt für den direkten Aufbau. Handarbeit und Muskelkraft sind gefragt, um das Riesenpuzzle aus geschätzten 20.000 Teilen zusammenzusetzen und an Ort und Stelle zu installieren.

„Wie behält man da den Überblick?“, fragen wir Orgelbaumeister Albert Baumhoer.

„Ganz einfach! Man fängt an!“, ruft er uns lachend zu und schnappt sich das nächste Rasterbrett, um damit die 59 Stufen der Empore zu besteigen, bevor er weiter erläutert, daß „der Aufbau einer Orgel identisch zu den verschiedenen Planungsstadien im Vorfeld verläuft.

Am Anfang steht eine Klangvorstellung, es folgen erste Pläne für eine Registeraufstellung, der sogenannten Disposition. Dann kommt es zu einem ersten Rendevous in der Kirche: Wie sind die baulichen Bedingungen? Habe ich ausreichend Platz, um alle Teilwerke der Orgel, die Manuale und das Pedal, die Windversorgung etc. auf der Empore aufstellen zu können? Wird sich der Klang gleichmäßig ausbreiten können. Welche Bauhöhe steht mir zur Verfügung? Was sagt die Statik? Gerade der letzte Punkt mußte in der Erlöserkirche zunächst bewältigt werden.“

Baumhoer weiter: „Dann folgt die Umsetzung der gefundenen Konzeption. Da ziehe ich mich dann auch mal gern in meine Werkstatt zurück und tüftele an einem Plan, den ich dann am nächsten Morgen mit meinen Mitarbeitern bespreche.

Ein erster Aufriß der Windladen, der Herzkammer jeder Orgel, erfolgt dann auf Holzplatten, die bereits im Maßstab 1:1 einen ungefähren Eindruck von der Größe auf der Empore und Position in der späteren Orgel verschaffen.

Schritt für Schritt entwickle ich dann die exakte Lage der Pfeifen auf der Windlade. Dabei habe ich immer wieder historische Pläne, gerade auch von Aristide Cavaillé-Coll (1811-1899) studiert und entsprechend in unsere Zeit umgesetzt. Ich baue zwar keine Kopie, aber ich würde dem guten Cavaillé schon sehr gern mal meinen Entwurf zeigen … (lacht). Es folgen Ständerwerk, Windladen- und Gehäusebau und eine erste Montage dieser Basis für die neue Orgel in der Werkstatt.

Windversorgung – ein ganz wichtiges Thema: Schleudergebläse, Magazinbälge und Windkanäle werden angeschlossen, getestet und gehen dann der eigentlichen Installation, dem Einbau der Orgel in die Kirche voran. Hier in Lüdenscheid haben wir einen mächtigen Magazinbalg nach Cummings bereits in der Turmkammer aus dem Mittelalter eingebaut.

Man kann sagen, daß im Grunde die gesamte Orgel bereits einmal in der Werkstatt komplett zusammengebaut wurde, bevor sie für den Transport nach Lüdenscheid wieder zerlegt werden muß.

In den nächsten Woche werden entscheidende Teile der selbst tragenden Holzkonstruktion der Orgel verbaut. Wir haben hier in der Erlöserkirche einen Flaschenzug an der Dachkonstruktion der Kirche befestigen können, um die schweren Baugruppen wie Windladen, Holztraversen etc. überhaupt auf die Orgelempore hieven zu können. Über die Treppe wäre uns das nicht gelungen!“ Dabei leuchten seine Augen und man spürt, hier baut einer das bisher größte Instrument seiner Werkstatt mit Leidenschaft.

Die Altstadtorgel in der Erlöserkiche Lüdenscheid ist ein vollständig durch Spenden finanziertes Projekt zur Förderung der kulturellen Arbeit in der Stadt. Nur auf diese Weise läßt sich der Bau einer Konzertorgel in dieser Größe finanzieren. Werden auch Sie zum Kulturpartner und beteiligen Sie sich aktiv am Bau dieser Orgel durch ihre freundliche Pfeifenspende.

Peter Ewers